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Waldschenke zum Adlerhorst

 
 Adlerhorst
 
Der Kiosk “Adlerhorst” befand sich in den früheren Jahren (Ende der 40er, Anfang der 50er Jahre des vergangenen Jahrhunderts) im Schweinheimer Wald/Pionierpark, gegenüber dem späteren Forsthaus. Er war ein beliebter Treffpunkt für Spaziergänger und Wanderer. Bei Getränken und einer kleinen Brotzeit verbrachten sie erholsame Stunden. Das Gelände, auf dem der Adlerhorst stand, war bis zum Kriegsende ein Übungsplatz der Pioniere.
 
Im Jahr 1937 zog die Familie Wilhelm und Anna Kunkel mit Tochter Sieglinde in das bereits bestehende Wohnhaus ein, das zum damaligen Zeitpunkt Wehrmachtseigentum war.
Wilhelm Kunkel wurde am 27.12.1911 in Wald-aschaff geboren, seine Ehefrau Anna, geborene Englert, am 22.10.1910 in Heigenbrücken. Im Jahr 1936 kam Tochter Sieglinde auf die Welt.
Aufgrund seiner hervorragenden Kenntnisse als gelernter Zimmermann, bekam er ein Angebot als Platzverwalter des Schweinheimer Pionierparks. Da seine Frau Anna sich im Wald wohl fühlte, nahm er das Angebot an. Außer der Familie Kunkel wohnte noch eine Familie Krebs mit ihren Kindern in diesem Haus.
Wilhelm Kunkel musste in den Krieg ziehen.
Ein Schock war für Mutter Anna und Tochter Sieglinde das Explosionsunglück, das sich am 21. Juli 1943 gegenüber ihres Wohnhauses ereignete und 33 Todesopfer forderte. Soldaten im Alter von 20 bis 37 Jahren kamen ums Leben. Sieglinde denkt heute noch mit Schrecken daran. Ein Gedenkstein am Forsthaus erinnert an diese Katastrophe.
Gedenkstein
 
Als sich 1945 die Amerikaner mit ihren Panzern dem Haus näherten, hängte Frau Krebs geistesgegenwärtig ein weißes Betttuch aus dem Fenster. Die Amerikaner riefen ihnen zu: „Hier raus, anderes Haus suchen“. Beide Mütter mussten sofort mit ihren Kindern das Haus verlassen. Sie kamen in einer Scheune in Obernau notdürftig unter.
Nach dem die Front weitergezogen war, fanden sie in ihrem Wohnhaus ein Chaos vor. Es war für die Familie schwer, sich in dem verwüsteten Haus wieder zurecht zu finden.
Wilhelm Kunkel kam nach Kriegsende zurück und machte mit handwerklichem Geschick das Haus wieder bewohnbar.
Im Haus wohnten, neben der Familie Kunkel, der Staatsförster Alois Rathgeber mit Ehefrau Betty. Von nun an nannte man es das Forsthaus.
Im Herbst 1949 zog noch Stadtförster Alois Ruf mit Ehefrau Anna und Kindern ein. Als Nachfolger von Rathgeber bewohnte Förster Georg Buckl anschließend das Forsthaus.
 
Wilhelm Kunkel baute gegenüber dem Forsthaus, auf dem freien Platz, einen Kiosk im Ausmaß von ca. 3 Meter auf 2,50 Meter. Zusätzlich stellte er Tische und Bänke für Wanderer davor. Daneben richtete er einen Unterstand her. Wenn es zu regnen begann, wurde eine Plane darüber gezogen. Er bot seinen Gästen Getränke und eine Brotzeit an. Stimmte die Gesellschaft, unterhielt Tochter Sieglinde die Gäste mit ihrem schönen Zitherspiel.
 
Die Namensgebung „Adlerhorst“ stammte von dem damaligen Staatsförster Alois Rathgeber. Wilhelm fragte ihn eines Tages, wie man den Kiosk nennen könnte. Der Staatsförster sagte spontan: „Gib ihm doch den Namen „Adlerhorst“. Somit hieß der Verkaufskiosk von nun an „Waldschenke zum Adlerhorst“.
 
 
Da Wilhelm Kunkel das Forsthaus nicht erwerben konnte, baute er um 1954 in Damm ein neues Wohnhaus für sich und seine Familie.
Der Kiosk „Adlerhorst“ wurde aus dem Schweinheimer Wald nach Damm abtransportiert und steht heute noch im Garten von Kunkels Anwesen.
Wilhelm Kunkel verstarb im März 1967 und Anna Kunkel im Januar 1984.
 
Schweinheim, im Juli 2008
Kurt S A U E R, HuGV Schweinheim
 
Das alte Forsthaus 2008

 

Dieser authentische Bericht wurde in Zusammenarbeit und mit ausdrücklicher Genehmigung der Familienangehörigen erstellt.