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Hofgut Unterschweinheim Guts-Schänke

 

Das Hofgut Unterschweinheim – bekannt als „Guts-Schänke“ und der „Galerie im Hofgut“ – soll der Überlieferung nach, ein über 400 Jahre alter Familienbesitz sein.

 

 

Ältere Schweinheimer erinnern sich vielleicht noch an Anton Völker (in Schweinheim wurde er Puhl-Völker genannt) – oder haben zumindest von ihm gehört, war er doch mit seiner Landwirtschaft, der Schäferei und vor allem der Latrinenreinigung auch bis in die Stadtgrenzen Aschaffenburgs bekannt und tätig.

 

 

Anton Völker, geboren am 22. Oktober 1894, war verheiratet mit Anna Völker geborene Maier. Sie war geboren am 8. April 1896, stammte aus Winzenhohl und verstarb am 8. März 1973. Als Anton Völker am 30. September 1948 verstarb und sein Sohn Heinrich (Heini), geboren am 6. Februar 1927, im Jahr 1945 als vermisst erklärt worden war, übernahmen seine Tochter Rita, geboren am 26. Oktober 1922 und ihr Ehemann Ewald Lüder, geboren am 8. März 1920, den Hof. Rita Völker heiratete am 26. Februar 1944 Ewald Lüder. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor. Sohn Gerd, geb. 16. September 1942 und die Töchter Monika, geb. 7. Mai 1945 und Erika, geb. 14. Juni 1952 Ewald Lüder, der als junger Offizier nach Aschaffenburg bzw. Schweinheim kam, integrierte sich hier schnell, spielte Handball beim TV Aschaffenburg und TV Schweinheim, wurde Vorsitzen-der des Bauernverbandes und betrachtete sich trotz seines norddeutschen Ursprungs nun als „Schwoijer“.

 
Nach fortwährenden Ausbauten und Erneuerungen stellten Rita und Ewald Lüder im Jahr 1968 den Hof von Milchwirtschaft auf Schweinemast um und führten umfangreiche Neu- und Ausbauten des Wohnhauses durch.

Rita LüderEwald Lüder

Als Rita Lüder am 14. September 1979 im Alter von nur 57 Jahren verstarb und ihr Mann Ewald sich zwei Jahre (1981) später ins Privatleben zurückzog, bewirtschaftete zunächst ihr Sohn, Gerd Lüder den Hof. Im Jahr 1984 erwarb Gerd Lüder dann das gesamte Anwesen, um es mit Achtung vor gewachsenen Strukturen und Tradition sowie großem Stilgefühl aber auch weitreichenden Visionen zu verändern und zu dem zu machen, was das Hofgut heute ist.Da der ursprünglich für zwei Familien gedachte Wohntrakt ihm zu groß erschien, baute er die zur Straße gelegenen Wohnräume des Völker`schen Teils um und aus und eröffnete zunächst im Oktober 1984 die Weinstube „Guts-Schänke“.

 

Gerd LüderGuts-Schänke

Obgleich er noch weiterhin als Landwirt tätig war und ist und, wenn auch im reduzierten Maß noch Ackerbau betreibt, gab Gerd Lüder die Schweinemast auf, um seine Gäste und Nachbarn nicht weiterhin der Geruchsbelästigung auszusetzen. Die dadurch stillgelegte Stallseite mit den darüber liegenden Heu- Stroh- und Getreidespeichern baute der selbst ernannte Architekt seit 1990 stetig und überwiegend in Eigenarbeit aus und um. Aus dem ehemaligen Schweinestall wurde eine „Kunstgalerie“ und ein  großer „Partyraum“ für Gesellschaften.Darüber liegen heute Büros, Tagungsräume und zwei Wohnapartments. Auch der Gastronomieteil wurde weiter ausgebaut und durch eine Bierzapfanlage in der Wirtschaft, einen separaten Ausschank für den Biergarten, eine Sommerküche für Pizza sowie großzügige Sanitäranlagen für den Gartenbetrieb und vor allem durch einen malerischen Innenhof mit Biergarten ergänzt.

Mit der Eröffnung der Galerie vor rund sechs Jahren erfüllte sich Gerd Lüder, der schon in seiner Jugendzeit Bilder von Aschaffenburger Malern wie Dering, Bruder, Mosora von seinem Taschengeld abgestottert hatte, einen Jugendtraum und brachte eine kulturelle Bereicherung nach Schweinheim. Die seitdem ständig wechselnden Ausstellungen, zum Teil auch internationaler Künstler, haben die Galerie und das Hofgut Unterschweinheim überregional bekannt gemacht. Der „Schweinheimer Kunstgarten“, der dieses Jahr erstmals stattfand und bei dem „Kunst zum Anfassen“ in der Galerie, den beiden Höfen und in der weitläufigen Parkanlage des Hofgutes die Besucher begeisterte, wird nun ebenso zum regelmäßigen Programm gehören, wie bereits der Kunsthandwerkermarkt im Sommer und der Weihnachtsmarkt der Schweinheimer Hobby-Künstler.

Aber nicht nur die bildende Kunst hat Einzug im Hofgut genommen. Auch Musikern bietet Gerd Lüder auf seinem Anwesen ganzjährig ein Forum und fördert gerade auch junge Gruppen. Schon traditionell ist der Jazz an jedem ersten Donnerstag im Monat mit den “Schweinheimer AllStars“. Zwar ist nur ein Schweinheimer dabei, aber die Gruppe spielt nun schon seit vielen Jahren hier, dass sie sich alle dem Ortsteil verbunden fühlen. Seit zwei Jahren tritt das Joschi Pevny Quartett an jedem dritten Donnerstag im Monat auf und zieht auch viele Städter nach Schweinheim.

Und für Freunde anderer Unterhaltung gibt es mal französische Chansons, Irish Folk oder Rock und Swing und auch Theateraufführungen stehen auf dem Programm. Alljährlich im August zieht Mr. Sax – das Schweinheimer Urgestein Günter Kolb – die Leute zum Benefizkonzert für Cafe Grenzenlos magnetisch in den Biergarten. Bei soviel Kunstgenuss kommt das leibliche Wohl der Gäste aber nicht zu kurz.Ländliche, hausgemachte Schmankerl, vom Kochkäse bis zur vom Chef persönlich gekochten Gulaschsuppe im Schweinheimer Brotlaibchen, riesige Salatportionen sowie Pizza im Sommer zählen u. a. zu den Spezialitäten der Guts-Schänke. Die Getränkepalette reicht vom Apfelwein, Bier vom Fass, Weiß-, Rot- und Rose`-Weine bis zu alkoholfreien Getränke.

Auf Bestellung für private Feste bereitet er auch Spanferkel oder seine berühmten Haxen zu oder arrangiert ein Buffet ganz nach dem Geschmack seiner Gäste.

Gerd Lüder, der mittlerweile auch schon 64 Jahre alt ist, denkt allerdings vorläufig noch nicht an den Ruhestand. Zum einen hat er immer noch Pläne, seinen Hof noch schöner zu gestalten und zum anderen nimmt ihm die Arbeit niemand ab, nachdem sein Sohn (26 Jahre) die Ingenieurslaufbahn eingeschlagen hat und seit fünf Monaten in Kuala Lumpur, Malaysia arbeitet. Somit ist Gerd Lüder auch weiterhin bestrebt, seine Gäste mit Kunst und Genuss zu verwöhnen.

Aschaffenburg-Schweinheim, im September 2006
Kurt  S A U E R  Heimat- und Geschichtsverein e V

Verfasser:      Kurt Sauer HuGV
Bild u. Text:  Gerd Lüder u. Franziska Bastanier