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Mein Onkel Hans - Erinnerungen an Hans Brunner

Hans BrunnerGeboren 1908 und aufgewachsen in Schweinheim in der Marienstraße, blieb er 98 Jahre seinem Heimatort treu.   Einzig der zweite Weltkrieg führte ihn für längere Zeit fort ins ferne Russland. 1945 gefangen genommen, floh er zu Fuß durch Ostpreußen, um dann ein zweites Mal in russische Gefangenschaft zu kommen. Nicht zuletzt seine Liebe zur Musik rettete ihm ein zweites Mal das Leben. Da der russische Kommandant ein absoluter Tschaikowski- Fan war und Hans Brunner durch sein Musizieren Privilegien genoss, gelang ihm noch einmal die Flucht.   Wieder zu Hause, eröffnete er die „Drogerie und Farbenhandlung Brunner". Mit wenig Vorliebe fürs Kaufmännische widmete er sich seinen Leidenschaften: Spektakuläre chemische Versuche, dem Malen und Modellieren sowie dem Komponieren und Musizieren eigener Stücke.   Seine nicht für jedermann verständliche eigenwillige Lebensart'` brachte nicht nur seine Familie in manch brisante Lage. Aber ganz „gentlemanlike" meisterte er jede noch so brenzlige Situation.

Meine letzte Episode mit ihm werde ich nie vergessen. Bei der Beerdigung eines Bekannten bat er mich, ihn zu begleiten, da ihm das Gehen schwer falle. In seinem bekannten Fahrstil fuhr er mit dem Auto hupend vor, um mich abzuholen. Ich stieg ein, setzte mich auf den Fell bezogenen Beifahrersitz und mHans Brunner beim Musizieren auf der Almhütte Schweinheimerkte nach kurzer Zeit, dass dieser völlig durchnässt war. Folglich hatte ich einen entsprechenden Fleck auf meiner Rückseite. Die lapidare Erklärung meines Onkels war, Balu, sein altersschwacher Hund, hätte auf den Sitz gepinkelt. Aber ich brauchte mir keine Gedanken zu machen, er hätte eine Flasche Kölnisch Wasser darüber geleert. Das erklärte auch den „Duft" im Auto. Zum Umkehren zu spät, fuhren wir zum Friedhof. Mein unsicheres Gefühl wegen des Flecks, welcher von meiner modischen kurzen Jacke nicht ganz verdeckt wurde, kommentierte Onkel Hans folgendermaßen: „Du glaubst doch nicht, dass wir da die ganze Zeit stehen. Wir gehen vorne rein und hinten hinaus. Dann haben uns alle gesehen und der Fall ist erledigt." Genau so machten wir es dann auch. Aber an Heimfahrt dachte Onkel Hans nicht. „ich höre im Auto Kassette, schreibe die Noten für mein neues Musikstück und gehe dann am Ende zum Kondolieren, denn normaler weise werde ich dann zum Leichenschmaus gebeten. Du kannst inzwischen nach Hause laufen." Später erfuhr ich von der Tochter des Verstorbenen, dass es mit dem Leichenschmaus geklappt hatte.


Und so werden meine Erinnerungen an meinen Onkel Hans sein. Egal, welch verrückte Sachen er anstellte, am Ende lachte man und verzieh ihm.

Christel Ganz-Brunner