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Aus dem Wortschatz des Schweinheimer Dialektes

Vorbemerkung von Prof. Kolb

(nach Sachgruppen geordnet)


Vorbemerkung
von dem gebürtigen Schweinheimer „Prof. Hans Kolb“
 

Verbreitung
Der Schweinheimer Dialekt zählt zum Dialektgebiet des Rhein-Hessischen. Dieses Gebiet ist im Wesentlichen mit dem Bundesland Hessen identisch. Im Westen schließt das Rhein-Hessische die Stadt Mainz ein und im Osten den Umkreis von Aschaffenburg und den angrenzenden Teil des Spessarts. Die einzelnen Siedlungsgebiete sind allerdings durch sprachliche Nuancen voneinander unterschieden. So wird z.B. im Ortskern von Schweinheim anders gesprochen als in den stadtnahen Teilen. Die hier ansässigen Bewohner fühlen sich einer „gehobeneren" und einer weniger breiten Lautung verpflichtet.

Wandel
Gesprochene Sprache verändert sich dank verschiedener Einflüsse ständig. Deswegen sei darauf hingewiesen, dass viele der in den folgenden Listen aufgeführten Wörter und Floskeln wohl nicht dem heutigen Stand entsprechen, sondern eher in den 30er und 40er Jahren lebendig waren.

Lautung
Der Dialekt wird üblicherweise nur selten niedergeschrieben, so dass einem Leser die einzelne Wortgestalt unbekannt ist. Beim Hören stellt sich dagegen die Schwierigkeit des Wiedererkennens eines Dialektwortes nicht ein. Deswegen ist die Verwendung einer Lautschrift empfehlenswert. Weil jedoch ein geeignetes Programm auf dem Computer nicht zur Verfügung steht, wird im Folgenden von einer Transformation des Dialekts in die Lautschrift abgesehen und versucht, zur Wiedergabe der Wörter die üblichen Buchstabenkombinationen zu verwenden. Manche Buchstaben und Buchstabenkombinationen bedürfen der Lesbarkeit halber einiger Hinweise.

Die sehr häufig vorkommende Kombination „oa“ z.B. in Moa (Main) wird gesprochen wie der englische Vokal in „talk". Interessant ist, dass auch eine Änderung der Vokallänge bei dem einen oder anderen Wort gebräuchlich ist. Beispiel am Wort „Frau":

Kurzer Vokal: „Fra" wie bei  „Fra Holle"

Mittellanger Vokal: „moi Fraa"

Sehr langer Vokal: „Fraaa!" (Vokativ)

Dehnungen der Vokale werden durch Doppelungen oder durch ein „h" angedeutet. Eine Vokaländerung verbunden mit einer Lenisierung des An- und Auslauts lässt sich beim hochdeutschen Wort Kröte beobachten. Es mutiert im Dialekt zu: „Grod". Abschleifungen ergeben sich ebenfalls bei An- und Auslauten wie bei „vedeifeln" d.h. verteufeln. „Pfui Teufel" lautet im Dialekt: „vu Deifel". Es gibt Wörter, bei denen die beiden enthaltenen Vokale verändert werden, wie z.B. „Soldat". Das Dialektwort dazu lautet: „Saldoad".

Die Betonung mehrsilbiger Dialektwörter liegt üblicherweise auf der 1. Silbe. Ausgenommen davon sind Wörter mit einer Vorsilbe, wie bei „vedeifeln" oder bei „veschlugge"    (=verschlucken). Im Zweifelsfall hilft die Setzung eines Akzentzeichens hinter der betonten Silbe.

 
Die Konjugation von Hilfszeitwörtern: Beispiel „sein"

Isch bäi Miä son
Du best Iä seid
Er es, sie es, es es Sie houn

 

 

 

 

 

 

Beispiel "haben"

 

Isch hou Miä houn
Du host Iä houd
Er hot, sie hot, es hot Sie houn

 

 

 

 

 

Die Vergangenheit von Verben steht immer im Perfekt:

 

Isch hou ein gesät: Ich habe ihm gesagt
Isch hou gässe: Ich habe gegessen
eä ess fod bliewe: Er ist fort geblieben; ist ausgeblieben
Isch bäi niwä goange: Ich bin hinüber gegangen
Sie son ze spät kumme: Sie sind zu spät gekommen
Es hot denäwe gehonge: Es hat daneben gehangen
Isch hou des Ding scho wäg gewoaffe: Ich habe den Gegenstand schon weg geworfen

 

Deklination von Nomina mit Adjektiven Beispiel: „Fette Sau"

 

Di fätt Sau Die fätte Saj
Vun de fätt Sau Vun de fätte Saj
De fätt Sau De fätte Saj
Di fätt Sau Di fätte Saj
Vokativ: “fätte Sau"

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Voraussetzung für die Aufnahme der Dialektwörter in die folgenden Listen

Inwieweit die folgenden Listen den Grundwortschatz des Schweinheimer Dialekts umfassen ist unbekannt. Da die lebendige Sprache eine Mischung zwischen Dialekt und Hochdeutsch ist, wurde bei der Aufnahme der Dialektwörter in die folgenden Listen darauf geachtet, dass ein Wort oder eine Redewendung nicht nur eine Abwandlung vom Hochdeutschen darstellt, sondern einen mindestens in der Lautung originären Anspruch erheben kann. So wurde z.B. das Wort „Suppe" nicht aufgenommen, wohl aber die Wörter „Dällä" und „Messä".


Quellen
Die verschiedenen Wörter entstammen zu einem geringeren Teil dem Wörterbuch der deutschen Dialekte (1), zu einem größeren Teil dem Internetbeitrag: Dörnigheimer Dialekt (2). Der weitaus größte Anteil des Grundwortschatzes des Schweinheimer Dialekts beruht auf der eigenen Spracherfahrung (3).

1. Knoop, U., Wörterbuch der deutschen Dialekte,
    Parkland Verlag, München, 2001

2. Heim,G.,Steul A.,Zeitler B., Dörnigheimer Dialekt,

3. Hirsch, A., Mundarten im Spessart, Aschaffenburg, 1971

4. Der weitaus größte Anteil des Grundwortschatzes des Schweinheimer Dialekts beruht auf der eigenen Spracherfahrung. Die heranwachsenden Schweinheimer übernehmen zunächst die Sprachgewohnheiten ihrer sozialen Umgebung, gewinnen aber im Laufe ihrer Schulzeit das Umgangs- und Hochdeutsche hinzu, ohne die ursprüngliche Artikulation und Stimmführung beim Sprechen völlig zu verlieren